Ein vorzeitiges Ende

 

Ein Stück in einem Akt, Vorhang auf, „Der November wird dieses Jahr abgesagt“, Vorhang zu, kein Applaus, Ende, alle nach Hause.
Man ist geknickt, frustiert, die Vorstellung des Sommers war zu kurz, hat nicht angehalten, Optimismus hat nur vorübergehend Einzug erhalten.

So die Quintessenz der Beschlüsse des vergangenen Mittwochs, die nun seit gestern greifen, um den rasanten Anstieg der Infektionszahlen und den eskalierenden Verlauf der Pandemie hoffentlich auszubremsen.

Für Leutkirch, Wangen und Isny bedeutet das den Abbruch der Baden-Württembergischen Literaturtage, ein frühzeitiges Ende dieses lange geplanten Festivalzeitraums.

Der innere Konflikt drängt sich hier geradezu auf, bei allen die mit organisiert, gestaltet und sich gefreut haben: Selbstverständlich sind die entschiedenen Maßnahmen vollkommen richtig.
Doch genauso selbstverständlich hätten wir alle gehofft den Zeitraum der Veranstaltungen, dieses Fest der Literatur, länger auskosten zu können. All die Ideen, die Energie, die Planung – es ist unglaublich bitter, insbesondere im Kontext des nun bevorstehenden Novembers, in dem Verzicht unabdingbar sein wird.
Unter die allgemeinen Regeln fallen jetzt natürlich auch Bereiche, die alles gegeben haben für ein corona-gerechtes Umfeld, unser Kulturbetrieb, der sich sehr bemüht hat, ein sicheres Klima für alle Veranstaltungen zu schaffen trotz aller Widrigkeiten.
Im ersten Impuls kann man das vielleicht als unfair empfinden, doch es ist wichtig jetzt an diesem Punkt die Notbremse zu ziehen. Zwischenschritte, Stufen zu überspringen, weil die Treppe auf der wir alle uns befinden, sonst vielleicht ganz zusammengebrochen wäre, bevor wir überhaupt an der letzten Stufe ankommen.

Also, was jetzt?
Wieder Rückkehr zu Bananenbrotbäckerei und Einkaufeskaltionen? Ringen nach Verantwortung und Lücken in der Empathie?
Letztlich ist an uns, wie dieser November, den wir eigentlich mit Literatur und Kultur anreichern wollten, nun wird. Und folglich wie unser aller Advent wird.
Ob wir es zulassen, dass mit den erneuten Einschränkungen auch die Akzeptanz für diese zwingenden Regeln sinkt. Ob wir es zulassen, dass dieser November frostiger wird als die Isolationszeit im Frühjahr.

Auch wir hätten lieber weiter über Bücher und Autor*innen berichtet, über fabelhafte Lesungen und frische Formate, über diese Vielfalt des geplanten Programms. Trotzdem möchten wir jetzt unsere Position dafür nutzen, um zu motivieren und zu appellieren:

Liebe Besucher*innen der frühzeitig beendeten Baden-Württembergischen Literaturtage 2020,
liebe Alle, die es in den bevorstehenden Programmwochen noch werden wollten,
wir hoffen auf einen November, aus dem wir alle das beste machen.
Nicht panisch und rücksichtslos das letzte Mehl greifen, nicht unbedacht andere gefährden, nicht da Risiken eingehen, wo es auch einen sichereren Weg gegeben hätte. Nicht Klopapier hamstern, sondern Bücher. Nicht nachlässig werden.

Wir wünschen eine gute Zeit trotz aller Veränderungen, bleiben Sie literaturbegeistert, bücheraffin, kulturinteressiert und vor allem gesund!

Ihr Bloggerinnen-Team

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