Mythen & Sagen des Allgäus
oder auch: noch lange keine überholten Geschichten

„Das ist gewiss die malefiz Alte, das Reuweible“
So heißt es in der wohl bekanntesten Allgäuer Sage „Das Reuweible“. Von ihr, einem unheimlichen, alten Mütterchen, und einer Vielzahl weiterer Sagen und Mythen erzählte die Regisseurin und Theaterpädagogin Ute Dittmar in Ihrer Literatur-Wanderung.
Dabei wurde die sichtbare Landschaft geschickt mit den Inhalten der verschiedenen Erzählungen verwoben, die Geschichten fanden zu ihren Orten zurück. Gesungene Balladen wurde ebenso eingebunden wie Maskeninstallationen und Fackeln.

Spricht man mit Ute Dittmar über diesen literarischen Spaziergang und ihre ausgesuchten Sagen und Mythen, dringt vor allem eines durch: Begeisterung für diese teils vergessenen Geschichten.
Sie hat sie wiederaufleben lassen und in zwei Wanderungen interessierten Besuchern nähergebracht, die Erzählungen stimmungsvoll untermalt.

Ihr Plan ist aufgegangen und die Faszination für diese einmal viel erzählten Sagen ist übergeschwappt auf ihr Publikum. Aus meiner Sicht also umso bedauernswerter, dass sich für eine solche Art der Veranstaltung häufig nur ältere Menschen interessieren. Mythen und Sagen das hat einen angestaubten Beigeschmack, das klingt (leider) nach einem Gähnen im Deutschunterricht und Geschichten, die so alt sind, dass sie manchmal sehr weit entfernt von unserer Lebensrealität stehen.

Dennoch waren gerade diese Geschichten das Sprachrohr vieler Generationen, es sind Geschichten, die eine Region geprägt haben: Eine Edelfrau, die bei Weitnau Rast einlegt. Der Wald bei Nesselwang, aus dem ein Mann zutiefst verängstigt zurückkehrt. Das Reuweible, das bei Eschach ihr Unwesen treibt. Ist das wirklich so viel anders als derzeitige Erzählungen? Jemand der sich im Unterholz verirrt, Nebel, der aus Wäldern steigt, eine Leiche, die an einem Bachlauf empfunden wird.
Es kann sein, dass der Hype um Fantasy-Geschichten wieder auf den Rückzug ist, allerdings ploppen dafür überall Crime Podcasts/Magazine/Erzählungen auf… und da ist ein Vergleich mit den von Ute Dittmar zusammengestellten Texten gar nicht mehr fern.
Stellt man sich zudem vor, durch wie viele Münder diese alten Geschichten schon gegangen sein müssen und wie viele Fantasien sich ihrer bedient haben, bekommen diese Erzählung noch einmal mehr Bedeutungsschwere.

Ute Dittmar wird diese Wanderungen über die Literaturtage hinaus erhalten und weiterführen. Nach Ihrem begeisterten Bericht kann ich nur hoffen, dass sich im Verlauf ein noch breiteres Publikum auf diese liebevolle Aufarbeitung spannender Geschichten des Allgäus einlassen kann.

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