Leseratten im Internet – BookTube

Wer noch vor 50 Jahren nach Möglichkeiten suchte, seine Liebe für Bücher zu teilen, hatte wenige Optionen: mit etwas Glück gab es einen lokalen Literaturkreis oder ein Freund las gerade das gleiche Buch. Doch mit der Entstehung des Internets, das für alle zugänglich ist, wurde es mit einem Mal viel leichter, Menschen mit ähnlichen Interessen zu finden. Und so entstand auch eine Internetgemeinschaft für Bücher: BookTube.

Was ist BookTube?

Der Name BookTube kommt wie so viele Internetbegriffe aus dem Englischen und setzt sich aus „book“ für Buch und „tube“ als Abkürzung für die Plattform YouTube zusammen. Schon hier kann man also erkennen, dass ein großer Teil dieser Online-Community auf YouTube stattfindet.

Für alle die YouTube nur als Plattform für Musikvideos o.ä. kennen, hier eine kleine Zusammenfassung: Auf YouTube kann jeder frei eigene Videos hochladen und die Videos anderer Leute ansehen. Über die Jahre bildeten sich dort wachsende Fangemeinden unter Kanälen, die regelmäßig unterhaltsame Inhalte boten. Auch wenn keine Abgrenzung zwischen unterschiedlichen Themenbereichen existiert, gibt es doch Online-Communities, die sich z. B. auf Videospiele, Make-up oder eben Literatur fokussieren.

Logischerweise drehen sich die meisten Inhalte auf BookTube um Literatur und Bücher. Das kann in der Form von Rezensionen, Fragerunden oder „Tags“ stattfinden. Sogenannte „Tags“ bestehen häufig aus einer Reihe von Aufgaben und Fragen, die sich auf ein spezielles Thema beziehen. Passend zur Saison könnte ein „Halloween Tag“ existieren, in dem man Leseempfehlung fürs Horror-Genre gibt. An einem solchen Tag kann jeder teilnehmen, wie es ihm beliebt. So entsteht eine dynamischere Gemeinschaft. Eine andere Form der Videos wären Vlogs bei denen z. B. der Besuch der Frankfurter Buchmesse gefilmt wird. Unabhängig vom Inhalt müssen Videos auf YouTube jedenfalls nicht professionell sein, denn die Plattform steht jedem offen.

Die Rolle der Authentizität

Der Erfolg, den solche Videos haben, ist oft eng verknüpft mit der Persönlichkeit des jeweiligen BookTubers. Eine große Besonderheit des Internets ist nämlich die (vermeintliche) Nahbarkeit von berühmten Personen. Jeder kann unter einem Bild von Rihanna einen Kommentar hinterlassen, und mit sehr viel Glück erhält man sogar eine Antwort. Zumindest besteht die Möglichkeit. Dasselbe gilt für die Menschen hinter den YouTube-Kanälen von BookTube. Mit einem Unterschied: BookTuber sind tatsächlich ganz durchschnittliche, „normale“ Mitmenschen. Es fällt Zuschauern also sehr leicht, sich mit der Person auf dem Bildschirm zu identifizieren. Dadurch wird ihr Charakter, Humor und ihre Freundlichkeit zu einer Art Währung, von welcher der Erfolg abhängig ist. Gerade leicht zu beeinflussende Menschen können so z. B. anfälliger für Werbung sein. Mundpropaganda ist schließlich deutlich wirksamer als herkömmliche Anzeigen.

Hobbyleser oder Buchkritiker?

Es würden sich wohl nur wenige BookTuber als Literaturkritiker bezeichnen. Der Großteil der dort behandelten Bücher gehört ohnehin eher in Genres wie Fantasybücher, Thriller oder Liebesromane. Ein besonders hoher Anspruch wird aber auch nicht gestellt: Das Ziel ist viel mehr das Teilen und Ausleben eines Hobbys. Für viele – das gilt auch für mich – dienen sie der einfachen Unterhaltung oder hin und wieder der Inspiration.

BookTube ist eine wunderbare Sache, an der man viel Spaß haben kann. Egal ob Produzent oder Konsument – zu wissen, dass man sein Hobby mit so vielen anderen teilt, bereitet einem immerzu Freude. Das ist für uns ja auch das Tolle an diesem Blog hier!

(Wanda Ruetz)

 

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