#lesenlohntsich - Bernhard Schlink

Das Motto der Baden-Württembergischen Literaturtage lautet weiterlesen. Dazu möchten auch wir Bloggerinnen aufrufen und werden von nun an regelmäßig sagen: #lesenlohntsich. Unter diesem Schlagwort veröffentlichen wir von nun an Lese-Empfehlungen rund um die AutorInnen und nahenden Veranstaltungen.

Wer könnte dafür einen fulminanteren Auftakt bieten als Bernhard Schlink? Er ist nicht nur einer der bekanntesten deutschen Schriftsteller mit internationalen Erfolg, sondern auch Professor für  Rechtswissenschaft und war bis 2006 Verfassungsrichter in NRW.

Zum Auftakt der Literaturtage wird am 16. Oktober in Wangen “Der Vorleser” von der Landesbühne Esslingen aufgeführt, nach Schlinks gleichnamigen Roman.

Da nicht nur dieses Werk von Bernhard Schlink Aufmerksamkeit verdient, hier nun ein paar Empfehlungen, über die ich sagen würde #lesenlohntsich in jedem Fall!

Das Wochenende

Jörg ist ein Ex-Terrorist. Nach 24 Jahren wird er endlich aus dem Gefängnis entlassen. Hoffnungen, Vergangenes, geschichtsträchtige Ereignisse – all das kocht hoch an dem gemeinsamen Wochenende, das Jörg, unmittelbar nach seiner Entlassung, zusammen mit seiner Schwester und alten Freunden auf einem abgeschiedenen Landgut verbringt. Fragen drängen sich in die Harmonie: Sind die Nachbeben der RAF-Zerit wirklich vorbei? Kann man einem Menschen verzeihen, der vier Andere erschossen hat? Und wer hat Jörg damals eigentlich wirklich an die Polizei verraten?

Ein Roman, der geschickt und emotional das Politische mit dem Persönlichen verwebt und eine Zeit nahe bringt, die manche schon für nichtig erklären.

Abschiedsfarben

Ein Verrat eines Mathematikers in der DDR, Fluchtpläne, die an die Staatssicherheit weitergegeben werden.
Eine zerbrochene Jugendliebe, Zufallsbegegnung Jahre später und eine Wahrheit, die der Ich-Erzähler erst im hohen Alter erfährt.
Ein Fährschiff-Kapitän, der wehmütige Briefe schreibt.

Schlinks neuster Erzählband umfasst 9 facettenreiche Geschichten, die jedoch alle um ein zentrales Thema kreisen: Abschied. Mal misslungen, mal schmerzlich, hoffnungsvoll, Jahre später, nie ausgesprochen, schuldvoll, schuldlos. Klar und auf den Punkt gebracht erzählt Schlink diese Lebensgeschichten, gemalt in den unterschiedlichsten Farben.

Der Vorleser

In den späten 50er Jahren trifft Michael Berg, zu dem Zeitpunkt jugendlich, auf die deutlich ältere Hannah Schmitz. Zwischen den beiden entwickelt sich eine ungleiche Beziehung mit einer Besonderheit: Michael soll Hannah vorlesen. Jahre später, nach dem Ende dieser Beziehung, studiert Michael Jura und beschäftigt sich im Rahmen der Kriegsverbrecherprozesse mit Anklagen gegen ehemalige Wärterinnen aus Auschwitz. Unter den Angeklagten: Hannah Schmitz.. Für Michael beginnt ein innerer Konflikt, der sich vor allem damit beschäftigt, ob diese Frau, die er dachte zu kennen, wirklich schuldig ist.  

Bernhard Schlinks großer Roman und internationaler Erfolg vereint in sich eine nahegehende Liebesgeschichte, ein juristisches Drama und die Aufarbeitung der NS-Zeit. Ein Werk, das zum Klassiker geworden ist und auch wegen – oder trotz – seines Bekanntheitsgrad zu lesen lohnt. Vor allem aber wegen seiner anhaltenden Relevanz. Unweigerlich muss sich jeder fragen: wie sieht Schuld eigentlich aus? 

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